Start eines Stratosphärenballons mit Amateurfunknutzlast
von der Festung Ehrenbreitstein am 29. Juni 2011 ...


Am 29. Juni 2011 startete die lange vorbereitete Ballon-mission unseres Ortsverbandes auf dem großen Freige-lände der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

Nachdem gegen 9 Uhr offizieller Einlass zur BUGA war, wurden immer mehr Besucher auf unseren gut platzierten, und öffent-lichkeitswirksam aufgebauten Stand, in Nähe des Eingangsbe-reiches, aufmerksam. Das Befüllen des Ballons begann gegen 11:30 Uhr und lockte sehr viele Besucher an den Startplatz. Unser Ortsverbandsvorsitzender Arno Herz, DL1PBC, erhielt dann gegen 11:45 Uhr die Startfreigabe der Deutschen Flug-sicherung für 12:00 Uhr. Nach erfolgreich verlaufenem Technik-check wurde der Ballon gegen 12:02 Uhr, unter den Augen einer großen Anzahl interessierter Besucher, gestartet. Der Ballon sendete neben den Positions- und Höhendaten auch Live-Bilder über ATV sowie ein Standbild pro Minute über SSTV an unsere Bodenstation „Mission Control“ auf dem Festungsgelände. Somit konnten die Besucher nach dem Start das Gelände der Bundesgartenschau und die umliegende Re-gion live aus der Luft betrachten. Auch ein spezieller GPS Sender war mit an Bord. Der extra in den USA beschaffte GPS-Empfänger (handelsübliche Empfänger liefern ab einer Höhe von rund 18 km keine Position und Höhe mehr) funktionierte perfekt und ermöglichte so eine schnelle Verfolgung. Das Rufzeichen des Ballons lautete DL0LAY-7 und die OV eigene Ken-nung K32 001. Ebenso konnte jedermann den Flug des Ballons auf www.aprs.fi live und in Echtzeit im Internet mit verfolgen.

Gegen 12:30 Uhr machten sich dann zeitgleich die drei Verfolgerteams auf den Weg, um den Ballon über das durch APRS (Automatic Packet Reporting System) ausgesendetem Positionssignal zu verfolgen. Der Ballon begann seinen Flug in Nord-Ost-Richtung über Montabaur, Bad Marienberg und Siegen. Dort wechselte er plötzlich seine Richtung nach Nord-West in Richtung Olpe, als er in rund 18 km Höhe in eine hoch gelegene Strömung eintrat. Die maximale Höhe wurde um 15:15 mit 29791 m über Gummersbach erreicht, als der Ballon, bedingt durch den niedrigen Luftdruck in dieser Höhe, platzte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Ballon eine durchschnittliche Steigrate von 2.5 m/s (9.3 km/h).

Nach einer rasanten Abstiegsphase mit rund 30 m/s (108 km/h) öffnete sich der Fallschirm und verlangsamte den Abstieg mit einer durchschnittlichen Sinkrate von 10 m/s (36 km/h). Kurz nach Beginn der Abstiegsphase änderte der Ballon wieder seine Flugrichtung nach Nord-Ost in Richtung Lüdenscheid. Die Abstiegsdauer betrug 43 Minuten, als er gegen 15:58 Uhr in der Nähe der Autobahn A45 in Ober-Hunscheid auf einem Feld landete. Die genauen Fundkoordinaten betrugen 51° 14.710′ N, 7° 38.590′ E. Einige bange Momente erlebten die Verfolgerteams, als der sinkende Ballon um 15:33 Uhr ab einer Höhe von ca. 11 km über Rönsahl plötzlich keine gültigen Positions- und Höhendaten mehr sendete. Es wurden zwar APRS-Pakete mit aktuellem Zeitstempel empfangen. Diese enthielten jedoch neben der Bemerkung „NO FIX“ keine gültigen Daten. Vermutlich verlor der GPS-Empfänger kurzzeitig das Signal zu den Satelliten. Zur allgemeinen Erleichterung meldete sich der Bal-lon um 15:50 Uhr wieder in einer Höhe von 3400 m über Lüdenscheid. Jetzt war der Stand-ort des Ballons wieder bekannt und die Verfolgerteams machten sich auf der Autobahn A45 schnellstens auf den Weg nach Lüdenscheid zur Bergung.

Knapp eine Stunde nach der Landung traf das erste Team am vermuteten Fundort ein. Lei-der konnte das Peilsignal des Fuchssenders nicht aufgenommen werden, was eine genaue Ortung zunächst erschwerte. Glücklicherweise sendete jedoch der APRS-Sender weiterhin eine gültige Position aus, so dass mittels GPS-Gerät die Nutzlast auf einem Feld in der Nähe einer Wetterstation aufgefunden werden konnte. Alle Geräte wurden sofort einem ersten Technikcheck unterzogen. Alles befand sich in einem guten Zustand, die Nutzlast wurde verpackt und mit dem PKW wieder heim nach Koblenz zur „Mission Control“ auf dem Ge-lände der Bundesgartenschau gebracht.

Alles in allem war unsere erste Ballonmission ein voller Erfolg und wir haben offensichtlich alles richtig gemacht. Nach mehreren Monaten Vorbereitungszeit und intensiver Arbeit so-wie unzähligen Testläufen haben wir unsere Ballon-Premiere gut hinter uns gebracht. Es funktionierte alles so, wie geplant und es konnten viele BUGA-Besucher Einblick in die un-endlichen Facetten unseres Hobbys nehmen. Lediglich die viertelstündige Informations-lücke über dem Ort Rönsahl und der Ausfall des Fuchssenders ließen den Beobachtern in der „Mission Control“ und bei den Verfolgern Perlen des Angstschweißes auf die Stirn tre-ten.

Die Auswertung der Daten ist bereits in vollem Gange. Besonders beeindruckend ist das Sichten des Bildmaterials. Insgesamt stehen uns ca. 4 Stunden Videoaufnahmen sowie ca. 20 GB Fotomaterial zur Verfügung. Unser Ballon hat am Weltall „gekratzt“. Man kann sogar schon die leichte Krümmung unserer Erdkugel erkennen.

Unser Ortsverband wird über die gesamten Aktivitäten im Rahmen eines besonderen OV Abend berichten. Dort werden alle Aktionen noch einmal vorgestellt und im Rahmen einer Multimedia Präsentation dargestellt. Alle Teilnehmer haben noch heute Gänsehaut, wenn sie an das Geschehene zurückdenken.

Es sei an dieser Stelle auch auf den hervorragenden Blogeintrag von Daniel Fischer von Sky-week Zwei Punkt Null verwiesen, der unser Event vor Ort begleitet hat.

 


Bilder von der Flaycam im Ballon vom Start bis in eine Höhe von ca. 20 Kilometer fotografiert und digital aufgezeichnet als Diaschau ...